Wer die Alpen überqueren will fährt in den Süden. Doch heuer
gibt es einige Menschen, die noch nicht in den Süden reisen möchten. Für
sie gibt es eine großartige und sichere Alternative, was das
Alpenerlebnis angeht: den Innradweg.
Quer durch die
Alpen vom Malojapass bei St. Moritz in der Schweiz über Österreich führt
der Radweg immer dem Fluss folgend nach Bayern und Oberösterreich bis
nach Passau zur Donaumündung. Am Innradweg spielt freilich nicht die
Herausforderung die Alpen zu überqueren die Hauptrolle, vielmehr ist es
der Genuss der sich verändernden Landschaft von der hochalpinen Umgebung
in der Schweiz, durch die Täler Tirols mit den noch immer
majestätischen Bergen im Blickfeld hinein in das „Voralpenland“ des
bayrischen und oberösterreichischen Abschnitts.
Am Innradweg quer durch die Alpen: St. Moritz – Innsbruck – Passau
Der
Innradweg führt 520 km quer durch die Alpen. Er folgt dem Fluss Inn,
eine West-Ost Verbindung durch die Alpen. Aus der Tatsache, dass er ein
Flussradweg ist, ergibt sich bereits die Gemütlichkeit des
Raderlebnisses – Flussradwege haben immer ein natürliches Gefälle. Das
heißt nicht, dass es immer flach und eintönig ist. Im Gegenteil: in der
Schweiz gibt es durchaus den einen oder anderen herausfordernden
Abschnitt und auch in Bayern, z.B. in der Region Inn-Salzach, werden die
Muskeln in der sanften Hügellandschaft gefordert. Aber das darf ja
durchaus sein, dass ein Radweg in den Alpen ein wenig die Muskeln
beansprucht. Drei bekannte Orte und Namen prägen die Radroute – allesamt
so unterschiedlich wie die Erlebnisräume entlang des Radweges: St.
Moritz, Innsbruck und Passau.
Alpine Welten – Vom Ursprung in der Schweiz ins Tiroler Oberland
Am
Malojapass nahe des mondänen Tourismusortes St. Moritz entspringt der
Inn, einer der wasserreichsten Flüsse Europas. Der ca. 70 km lange
Abschnitt von der Quelle durch das Ober- und Unterengadin lässt die
raue, aber auch mystische alpine Welt der Schweiz erleben. Wälder,
saftig grüne Wiesen, atemberaubende Ausblicke in die Schluchten des Inns
und Orte mit Geschichte und Tradition ermöglichen das Erlebnis Alpen in
Perfektion. Immer wieder ist man angehalten stehenzubleiben und die
Naturlandschaft in vollen Zügen zu genießen. „Il giardin da l’En“ ist
der romanische Name des Engadins. Er leitet sich von „Garten des Inn“ ab
und dieser Garten ist hier wunderschön. Eingebettet in den
schweizerischen Nationalpark, gegründet 1914, als erster Nationalpark in
den Alpen.
Tirols Berge und Kultur erradeln
Auch
der erste Teil des Tiroler Abschnitts – der in Summe 218 km Länge hat –
fasziniert noch mit dem starken, alpinen Charakter. Tirols typische
Architektur verschmilzt mit der Naturlandschaft zu einer harmonischen
Alpenidylle. Im Inntal wird der junge Fluss dann immer breiter, wie auch
das Tal. Der Radweg ist Großteiles flach, führt durch zahlreiche Orte
und vorbei an vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen
wie das Naturerlebnis Rosengartenschlucht, der Outdoor-Spielplatz
area47, das Schloss Ampass, die Swarovski Kristallwelten, das
Silberbergwerk Schwaz – um nur einige davon zu nennen. Immer in
Sichtweite und im Blick die imposanten Berge, die Tirols Lebenswelt
prägen und ausmachen. In Tirol laden auch einige Täler, die vom
Innradweg wegführen, zu einem Abstecher mit dem Fahrrad – die Radwege
sind direkt an den Innradweg angeschlossen. So kann man den Bergen auch
noch ein Stück näherkommen.
Barocke Lebenswelten und bunte Naturschauspiele
Mit
der Festung Kufstein im Rücken radelt man nach Bayern hinein. Der Inn
ist schon ein breiter Fluss, sozusagen ein Strom. An den Ufern lässt es
sich herrlich radeln. Ruhe, viel grüne Natur, Bewegungsfreiheit und hie
und da die Chance, direkt ans Wasser zu kommen sind der eine Teil des
Raderlebnisses. Der andere Teil ist das Lebensgefühl der Region, die
Leichtigkeit und Üppigkeit des Barock steht stellvertretend dafür: Gutes
Essen in den Gaststuben und Klosterküchen, die Biere der zahlreichen
Brauereien, die üppigen Kirchen und Klöster als Orte der Tradition und
des gelebten Brauchtums zeugen davon. Dass der Inn früher ein
bedeutender Handelsweg war spiegelt sich in den Häusern und Fassaden der
Inn-Salzach Architektur ebenso wider wie in der berühmten Silberzeile
am Hauptplatz von Schärding. Die Orte Schärding und Braunau liegen am
Ostufer des Inns – in diesem Abschnitt wird der Radweg links und rechts
des Inns geführt. Wer sich nicht für eine Seite entscheiden kann muss
sich nicht plagen, ein Übersetzen zur anderen Seite ist mittels
Fahrradbrücken oder den Innfähren immer mal möglich. Eine Besonderheit
ist das Europareservat Unterer Inn mit seinem beeindruckenden
Infozentrum in Erding, das sich Bayern und Oberösterreich sozusagen
teilen. Es ist ein Rückzugsort, nicht nur für die zahlreichen Vögel,
sondern auch für den Menschen. Der Innradweg führt 55 km durch diesen
einzigartigen Lebensraum. Spektakulär dann das Finale am Radweg. Die
Vordernberger Enge mit dem Inndurchbruch und der Zusammenfluss der
Flüsse Donau, Ilz und Inn in der Drei-Flüsse-Stadt Passau.
Ziel erreicht! Quer durch die Alpen: gemütlich am Fluss entlang mit zahlreichen Eindrücken in den Satteltaschen.
Facts zum Innradweg
> Start: Maloja/Engadin/Schweiz
> Ziel: Passau/Bayern/Deutschland
> Länge: 520 km
> Höhenunterschied Start-Ziel: -1.585 m
> Höchster/tiefster Punkt: 1.897 m (kurz nach dem Startpunkt Maloja) / 312 m (Ziel Passau)
> Kurzcharakteristik: Anfangs durchwegs leichtes Gefälle mit
einigen Anstiegen, ab Tirol größtenteils eben, hauptsächlich auf Rad und
Uferbegleitwegen, nur kurze Schotterstrecken, sonst asphaltiert. Für
Familien über weite Strecken gut geeignet.
> Schwierigkeitsgrad: einfach bis mittel
> Beschilderung: Je nach Region und Land unterschiedlich, in Tirol und Oberösterreich R3
